Kleine Gesellschaft

für Kunst und Kultur – Hamburg

GESELLSCHAFTEN


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR WEG UND UMWEG

    (Juni/Juli 2021)

    zum zweiten Mal zu Gast im HINTERCONTI
    Drei verschiedene Ausstellungen

    Mit Jürgen Albrecht, Michael Buck, Julia Fuchs, Simon Hehemann, Ralf Jurszo, Jutta Konjer, Naho Kawabe, Till Krause, Axel Loytved, Dirk Meinzer, Micha Mohr, Franziska Nast, Heiko Neumeister, Tanja Nittka, Wolfgang Oelze, Alexander Rischer, Claus Sautter, Daniel Maier-Reimer, Sabine Siegfried, sowie Julia Sökeland, blinkvideo, als Kuratorin mit einem Videoprogramm: mit Vanessa Nica Mueller, Ene-Liis Semper und Markus Vater.

    Die Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur, von 2014 bis 2019 in Barmbek-Süd beheimatet, war froh und dankbar, zum zweiten Mal im HINTERCONTI ein Programm zeigen zu können.

    Dem Titel gemäß ging es in dieser Reihe um den Weg: das meinte die selbst beschrittenen Wege, auch den Lebensweg, den Weg als landschaftliches Motiv. Den Weg, der verbindet oder trennt, den, der von A nach B führt oder ins X, ins Nichts. Auch dies war also Thema: das denkbare und konkrete Gegenteil, nämlich die Unmöglichkeit des Weiterkommens. Zu ergänzen wären noch Hohlwege, die Zeit und steter Gebrauch tief in den Mulm gefurcht haben sowie Holzwege, die bekanntermaßen in die Irre führen; kein schlechtes Ziel indes. Dazu gehören auch die Abwege und das Abseitige. Treppen und Leitern zeugen vom Auf- und Abstieg unserer Schritte. Die Gleise von Abschied und Wiederkehr.

    Auch zu dieser Ausstellungsreihe soll ein Katalog entstehen.

    Motiv und Gegenstand unserer Ausstellungsidee fügte sich im Übrigen aufs Beste mit dem der Spaziergänge des ART OFF Kultursommers. So war diese Kleine Gesellschaft Bestandteil und Vorbote der im Sommer folgenden Projekte der ART OFF Ausstellungsräume.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR DAS UNVORHERGESEHENE

    (Juli/Aug. 2020)

    im HINTERCONTI
    Fünf verschiedene Ausstellungen

    Mit Peter Boué, Nele Budelmann Veronika Gabel, Anna Gudjónsdottir, Achim Hoops, Georg Kühn, Micha Mohr, Bianca Müllner, Julia Nolte, Lawrence Power, Alexander Rischer, Sylvie Ringer, Claus Sautter, Meike Staats, und Hans Thalgott.

    Als uns vom Hinterconti angeboten wurde, ein Projekt der Kleinen Gesellschaft in Residence durchzuführen, haben wir natürlich begeistert zugesagt.

    Der Titel reflektierte die aktuelle Krisenzeit und den von uns intendierten Tenor des Unterfangens, andere und möglicherweise überraschende Tendenzen im Werk der Beteiligten unter den veränderten Bedingungen der Covid19 Pandemie vorzustellen. Die erzwungene Isolation hatte bei einigen auch fruchtbare Laborbedingungen erzeugt. Wir konnten in durchaus unfertige oder noch im Entstehen begriffene, ergebnisoffene Prozesse hineinsehen. Da wollten wir ein wenig näher hinschauen. Als Menschen, die an Strömen leben, blickten wir so fragend wie gelegentlich ratlos auf Wellen und Strudel und vermuteten als ursächlich tektonische Veränderungen mit ungewissem Ausgang. Viren neigen zu Mutationen, das liegt ihnen im Blut und „alles ändert sich immer“ wusste schon Ben Vautier. Empfindsame Seelen reagieren darauf mit Furcht, andere vielleicht aber auch mit einer Mischung von Neugier und neuem Mut.

    Es erschien ein Ausstellungskatalog, von dem noch einige Exemplare zu haben sind.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR FINISSAGE: AN INCOMPLETE VIEW OF MY MORAL SENTIMENTS

    (Dez. 2019)

    „Die (Kleine Gesellschaft für) Finissage: An incomplete view of my Moral Sentiments“ in der Kleinen Gesellschaft für Kunst und Kultur ist die letzte Ausstellung am Standort in Barmbek Süd. Die Installation und ihr Titel betrachten den einzigartigen und besonderen architektonischen Raum – sowie die einzigartigen Mieter / Kuratoren des Ortes und ihre Ideen, Konzepte und moralischen Standards, die sie während des fünfjährigen Bestehens der Kleinen Gesellschaft für Kunst und Kultur in der Schubertstraße aufrechterhalten haben. Indem die „Ruinen“ eines kulturellen Ortes und seine „Überbleibsel“ genutzt werden, um dort ein letztes Mal ein kulturelles und künstlerisches Umfeld aufzubauen, rückt die Installation die gegenwärtigen moralischen Empfindungen (wie Adam Smith sie 1759 definierte) in den Fokus. Eine Zeit, in der es weniger wichtig ist, produktiv als vielmehr profitabel zu sein – konfrontiere ich mit meinen persönlichen Gefühlen, die ich angesichts dieses großen Verlusts habe.“
    Nir Alon, Dezember 2019

    (Zur Erklärung: Micha Mohr und Claus Sautter wurden nach dem Verkauf des Hauses vom neuen Eigentümer 2019 sehr unfreundlich aus ihren seit dreißig Jahren angestammten Wohn-und Arbeitsräumen vertrieben. So wurde auch die Kleine Gesellschaft obdachlos.)

    Ab 2020: Die Kleine Gesellschaft besteht weiter – nun erst mal als Wanderzirkus


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR DAS GEKLEBTE LEBEN

    (Okt. 2019)

    Mit Frank Fietzek, David Fletcher, Marc Lüders, Sven Lütgen, Dirk Meinzer, noroomgallery, Karen Koltermann, Jörg Rode, Philipp Schewe, Johannes Speder und Meike Staats.

    Die „Kleine Gesellschaft für das geklebte Leben“ verhandelt die Collage und umzingelt diese, bis man sie nicht mehr wiedererkennt.  Die Ausstellung handelte aber auch vom Leben an sich. Die Sache geriet so zu etwas Fragilem, Unsicherem und vielleicht Beschädigtem. Das im Subtext war unser  Kontext, denn die Materialität der Werke war“ so unterschiedlich wie die Herangehensweise und der Arbeitsansatz der vertretenen Künstlerinnen und Künstler.

    „Das collagierte Bild ist uns nichts anderes als das Überführen von Bedeutungsebenen mit künstlerischen Mitteln, die unvermutet, überraschend und andererseits auch nahezu unsichtbar sein können. Heute ist alles Collage, so könnte man meinen. Die Ausstellung weiß das und bewegt sich deshalb vorzugsweise an den Rändern ihrer technischen Möglichkeiten. In unserer Auswahl lässt sich auf kunstfertig kombinatorische Skulpturen und auf paradox anmutende Tiererscheinungen treffen. Es spielen Höhleneingänge wie bei allem Anfang eine Rolle, und es gibt den Blick in die Zukunft.

    Der Verstand des Menschen wird mit Ohrfeigen geahndet, wie es sich gehört. Denn auf seine Augen kann sich schon gar nicht mehr verlassen werden: Fotografien, die ihren Gegenstand zum Verschwinden gebracht haben und ohnehin keine mehr sind treffen auf vermeintliche Rückstände der Zivilisation, die nie welche waren. Imitation und Vorspiegelung falscher Tatsachen – wir wissen eben schon lange nicht mehr, was wir sehen, aber wollen es hier vorgeführt haben.“  Peter Boué, Text für die Homepage


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR JOCHEN HILTMANN AM FUSS DER HONIGPUMPE VON JOSEPH BEUYS

    (April 2019)

    Fotoserie von Jochen Hiltmann in Neu-Vergrößerungen von Alexander Rischer, 2018

    Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Publikation

    Am 2. November 1984 fand im Düsseldorfer Atelier von Joseph Beuys eine Aktion statt, die etwa sechs Stunden dauerte und in deren Verlauf der Künstler den Plan der Honigpumpe zeichnete, ein Modell der Honigpumpe baute und ihre Arbeitsweise erläuterte.

    Hiltmanns Fotografien wurden in der Zeitschrift „Spuren“, in den Ausgaben 9 (Dezember 1984/Januar 1985) und 30/31 (Januar 1989), mit Texten von Joseph Beuys, Hans-Joachim Lenger und Jochen Hiltmann sowie einem Transkript des Gesprächs zwischen Beuys, Hiltmann und Lenger, das während der Aktion entstand, veröffentlicht. Unsere Ausstellung zeigte Re-Prints dieser Serie die Alexander Rischer angefertigt hat und überhaupt waren diese Bilder zum ersten Mal gerahmt an der Wand zu sehen.

    Es entstand anlässlich dieser Ausstellung der Band Jochen Hiltmann “Am Arbeitsplatz der Honigpumpe“ im Materialverlag der Hochschule für bildende Künste, gestaltet von Wigger Bierma. Mit einem einleitenden Text von Alexander Rischer, einem Interview von Alexander Rischer und Gunnar F. Gerlach mit Jochen Hiltmann, sowie Auszügen aus dem Gespräch, das Hiltmann und Lenger mit Joseph Beuys während der Aktion führten.

    ISBN 978-3-944959-5


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR LANDSCHAFTEN 1

    (Nov. 2018)

    Mit Helge Emmaneel, Simon Hehemann, Dieter Maertens, Bianca Müllner, Wolfgang Oelze, Claus Sautter und Knut Sennekamp

    Nach der Kleinen Gesellschaft für Flora und Fauna musste es folgerichtig eine für die Landschaft geben. Also für die Bilder, die sich die Menschen von Anordnungen natürlicher Gegebenheiten machen. Andererseits sind Landschaften auch eine Kategorie künstlerischen Ausdrucks, man denke an das Wort vom „Landschafter“ für einen Maler dieses Genres, das uns besonders interessiert. 

    Die Unterschiedlichkeit in der Herangehensweise der hier vertretenen Künstler und Künstlerinnen trug dem Rechnung, sowohl in ihrer Ausdrucksweise, wie auch durch die Inhalte, die im jeweiligen Landschaftsbild begründet sind. Seien es „Luftbilder“ von Bianca Müllner, die einen Blick aus großer Höhe wiedergeben könnten – oder Bilder der Luft, Helge Emmaneels Wolken, wie sie nicht zuletzt in der Landschaftskunst der Romantik gemalt wurden. Orte mit rätselhaft anmutenden Phänomenen gaben dagegen die Fotografien Wolfgang Oelzes wieder und Knut Sennekamps Doppelbilder führten in stark assoziative Richtungen. Wenn unberührte Landschaft eine Utopie bleibt, ist vom Dystopischen nicht zu schweigen: Dieter Maertens zeigte Kriegslandschaften als Ereignis, während uns Claus Sautters Fotografien an die vernarbten Orte früherer Kriegshandlun-gen führten. Die Mittel der Darstellung waren in dieser Ausstellung weitgehend auf Malerei, Zeichnung und Fotografie beschränkt – Simon Hehemann allerdings zeigte in der Mitte des Raumes eine neue, eigens für diese Ausstellung gefertigte Landschafts-Installation.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR DIE PORTUGIESISCHE REISE ZU DEN ESPIGUEIROS UND PELOURINHOS

    (Sept. 2018)

    Eine Ausstellung mit Philipp Grassmann,  Alexander Rischer und Hans Thalgott

    Die portugiesische Reise fand im August 2009 statt. Bei einem gemeinsamen Betrachten der drei Bände „Arquitectura popular em Portugal“, die bis 1980 über einen Zeitraum von nahezu dreißig Jahren entstanden waren, wuchs die Idee, zwei besonders signifikante skulpturale Kleinarchitektur-Typen des Landes persönlich aufzusuchen: Die Espigueiros und die Pelourinhos. Bei den Espigueiros handelt es sich um archaische Getreidespeicher aus Stein, die wie auf Säulen gestellte Sarkophage einer alten Kultur anmuten und um den außerhalb des Ortes gelegenen Dreschplatz gruppiert sind. Liegt dieser kahle Dreschplatz auf einer Anhöhe, wie etwa in Soajo, gibt dieses Ensemble ein Bild ab, das einer kleinen Akropolis gleicht. 

    Die Pelourinhos sind nachmittelalterliche Steinpfeiler, rund oder polygonal, auf abgetreppten Sockeln, die ein Tabernakel tragen, offen oder geschlossen, wappen- oder auch kreuzbestückt und bekrönt. 

    Die Beschäftigung mit diesen Objekten und Ordnungen erfolgte mit Zeichnungen, Planskizzen und Fotografien, die nun erstmalig im Zusammenhang in der Kleinen Gesellschaft gezeigt werden.

    Alexander Rischer (verkürzte Version des Homepage-Textes)


  • A CASE OF PLUS – EINE KLEINE GESELLSCHAFT FÜR ALEXANDER RAYMOND

    (März 2018)

    Solo-Ausstellung von Alexander Raymond (März 2018)

    Musik von Desert Sound Machine (Bernhard Hummer und Sebastian Drescher)

    „Was ist der Gegenstand? Man sieht mehr, als man weiß –

    Er ist oft nur unklar zu benennen, gerade in der Verdichtung unterschiedlicher Objekte, in ihrer Kombination, in ihrem Zusammentreffen auf der Bildfläche. Die Bilder sind emotional, sie sind visuell prägnant und sie wirken entgegen ihres oft komplizierten Bildaufbaus nicht konzeptuell, sondern vielmehr tatsächlich gesehen – was zutrifft, denn die gesamte Dingwelt Raymonds ist zuvor erdacht und gebaut worden, die Objekte seiner Bilder gibt es wirklich. (…)

    Je mehr das Bild in diese Fragmente zerfällt, desto schwerer wird das Begreifen der Bilder. Es ist das Gleichzeitige und Paradoxe, das Überblenden von Bedeutungsträgern bis hin zum Tatbestand der Collage was – wie bei Gedichten – zu einem offenen Feld der Interpretation führt. Die Objekte und Gesichter – als Kippbilder des Gegensätzlichen unbelebt und belebt zugleich – sind Stellvertreter des Abwesenden. Sie verweisen auf das Leben und seine Magie und sind damit nichts anderes als die Darstellung der uns drängenden Geister.“  Peter Boué (vollständiger Text in der Publikation)


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR MÖBEL UND ANDERE HINDERNISSE

    (Sept. 2017)

    Mit Simon Hehemann, Daniel Hörner, Alexander Klenz, Lawrence Power, Stephan Vogel und Christoph Wüstenhagen

    …es geht darum, das zu fixieren (in einer adäquaten Form), was man findet beim Malen, was man ertastet, was kurz aufblinkt. Es geht um den Versuch, das was in den Lücken liegt, was zwischen den Dingen schlummert und nur manchmal zum Vorschein kommt, festzuhalten und in eine Form zu geben. Diese Dinge, die da erscheinen, die man herauslöst, sind Hinweise auf die Architektur der Welt (Wahnsinn) und man versucht sie zu beschreiben, bevor sie sich in Kälte verwandeln und wieder im Schatten der großen Unaussprechlichkeit verschwinden. (…)

    Dieses Hinterfragen als Werkzeug zur Orientierung hat vielleicht auch mit der Angst zu tun, eben doch etwas Zweckhaftes zu erschaffen, aus Versehen. Etwas, das zu einfach ist, zu fertig. Zu fertig im Sinne von „zu grafisch“, „zu illustratorisch“ oder so. Etwas, das zu klar ist, zu vertraut, kann kein Erkennen ermöglichen. Die tollste Erkenntnis verbirgt sich vielleicht in etwas, das man eher fühlt als das, was man versteht. Kunst sollte nichts sein, was man versteht.“

    Christoph Wüstenhagen (gekürzter Text für die Homepage)


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR PROFANE RELIQUIEN

    (Feb. 2017)

    KLASSE TYPOGRAFIE HfBK HAMBURG, PROF. WIGGER BIERMA

    Mit Manos Dimitrakis, Christoph David Drange, Alice Dobersalske, Julia Maiquez Esterlich, Elburuz Fidan, Julia Haugeneder, Prarita Hongyont, Denis Kudrjasov, Atefa Omar, Maximilian Scholl, Maximiliane Schmid, Nino Svireli, Tobias Textor, Dodo Voelkel und Antonia Zielinski

    „Die Ausstellung „Kleine Gesellschaft für profane Reliquien“ und das vorliegende Buch sind das Ergebnis eines Projekts der Klasse Typografie der Hochschule für bildende Künste Hamburg. „Was haben Reliquien mit Typografie zu tun?“, könnte man fragen. So wie die Meister des Gebiets es beschrieben haben in ihren Fachbüchern, ist die Typografie mittlerweile selbst eine Reliquie geworden. Eine etwas zynische Antwort vielleicht – auch der Begriff Reliquie wird so eher in ihre übertragene denunzierende Bedeutung gedreht: etwas von früher im abwertenden Sinne gedacht, etwas das jetzt als abergläubisch und unsinnig behauptet wird.

    Eine Reliquie ist ein Überbleibsel, ein Gegenstand religiöser Verehrung, insbesondere ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen. Klar, wenn heute mit Studierenden die Reliquie in einer Ausstellung thematisiert wird, hat man keinen Zugriff auf Körperteile von tatsächlichen Heiligen. Man muss das Phänomen also im erweiterten Sinne definieren, und damit auch den Begriff des Heiligen. (…)

    Wigger Bierma (vollständiger Text in der Publikation)


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR ABSTRAKTE 1

    (Okt. 2016)

    Birgit Brandis, Dirk Meinzer und Benjamin Metzger

    Musik: „Explosionszeichnung“ vom Gitarrenorchester Gilbert Couché, Uraufführung

    Wir zeigten hier Arbeiten von drei Künstler*innen aus Hamburg, die sich in sehr unterschiedlicher Weise eine abstrakte Formensprache in der Malerei zu eigen gemacht haben. Dirk Meinzers und Benjamin Metzgers Bilder sind von ruhiger Oberfläche mit stark reduktionistischer Tendenz. Metzger bedient sich innerhalb der monochromen Fläche eines doppelten Rahmens oder Randes, der – chromatisch eingebunden oder farblich stark abweichend, aber immer unterschiedlich – auf das Ereignis des Bildes hinweist. Meinzer verfährt ebenso mit der monochromen Ebene, oft auf leichten Holztafeln, und ergänzt diese mit einer an Überblendung erinnernde Collage aus Papierstreifen und Materialien tierischen Ursprungs. Birgit Brandis dagegen ist eindeutig expressiv mit den hartkantigen und dennoch teils ornamentalen Sgraffitos und den großen, mit Schnitten versehenen MDF- Farbtafeln, die roh wirken und dabei doch filigran.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR DEN BLINDEN FLECK

    (Aug. 2016)

    Solo-Ausstellung von Alexander Rischer (Aug. 2016)

    „In meinen jüngeren Arbeiten zeigt sich mithin der Versuch, auf die sakralen, auratischen, historischen, interessanten, surrealen, fetischisierten Artefakte, Dinge und Objekte, die sich üblicherweise als Stellvertreter, Türöffner, Schwellenhüter, Verführer und Mahner in meinen Fotografien tummeln, zu verzichten. Deren objekthafte Attraktivität kürt sie recht nachvollziehbar zu Motiven. Demgegenüber steht nun eine Unbenennbarkeit, die ich arbeitshypothetisch mit der Idee des blinden Flecks in Verbindung bringe. (…)

    Die Schritte führen aus der Spur zunächst in den Sumpf oder ins Gestrüpp: lastend, dunkel und weich nach unten, als zugleich auch licht und dornig-sperrig nach oben, das Vorne ist anfangs in Schwierigkeiten. Und vielleicht geht es dabei also weniger um das, was man sieht – und fotografiert, um zu Ordnungen zu finden, oder um Ordnungen zu entdecken, zu verbildlichen und dabei auch zu behaupten – sondern vielmehr um das Stehen, das sich mit der Zeit zum Einsinken wandelt, den Widerstand des Geästs und Geflechts, das einen am Fortkommen hindert.“

    Alexander Rischer (der ganze Text erschien in „Scheue Welten“, Kunstverein Bamberg 2016)


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR HELLDUNKEL

    (Feb. 2016)

    Mit Achim Hoops, Heiner Blumenthal, Henrik Hold, Jürgen Albrecht, Nir Alon, Peter Boué, Ralf Jurszo und Veronika Gabel.

    Die Ausstellung hielt sich nur wenig mit den klassischen Motiven der Chiaroscuro- oder Helldunkelmalerei auf, also dem gezielten Einsetzen des Lichtes, wie wir es in der Tradition von Rembrandt oder Caravaggio kennen. Die Ausstellung wollte das Helldunkel beim Begriff selbst nehmen, ohne deren Herkunft in der Malerei zu verleugnen und ihn erweitern, um unsere Anschauung der Dinge, das Helle und das Dunkle, zu bewerten und dabei existenziell und exemplarisch zu verfahren. Auf begrenztem Raum mit acht VertreterInnen künstlerischer Disziplinen wie Malerei, Zeichnung oder Skulptur – versuchten wir so, eine breite Fächerung dessen zu zeigen, was „Hell-Dunkel“ heute sein kann.

    Es begann zumindest folgerichtig mit dem Einbruch des Lichtes in einer Höhle – und damit, sich an dunklere Orte zu gewöhnen. Ein innerer Zusammenhang über das Räumliche war in mehreren Arbeiten zu erkennen – Ein- und Ausgänge, Häuserfluchten und stark verschattete Innenräume als wiederkehrende Motive. In anderen Arbeiten war das Helle vom Schwarz umlagert oder es war das Licht selbst, das den Raum in zufälligen Intervallen beleuchtete.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR VENUS

    (Okt. 2015)

    Eine Solo-Ausstellung von Franziska Opel

    Mit Musik von „Porzellan“ (Francis Cazal) und der Pianistin Salome Jijeishvili

    „Die Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur befindet sich zu ebener Erde in einem ehemaligen Ladenlokal, welches seit vielen Jahren zu Wohnzwecken genutzt wird und seit dem Frühjahr 2014 auch als temporärer Ausstellungsraum. Ein großes Schaufenster weist noch auf die frühere Nutzung hin. Und genau dieses hat Franziska Opel jetzt für ihre erste Einzelausstellung zu einer Art Membran zwischen Innen und Außen, White Cube und Trottoir umfunktioniert. (…)

    So generiert Franziska Opel regelmäßig Bedeutungen, die über die reine Inhaltlichkeit der verwendeten Textbotschaften weit hinausgehen. Durch die den Betrachter visuell für sich einnehmende skulpturale oder installative Umsetzung eröffnet Opel neue, über das reine Textverständnis hinausweisende Bedeutungsebenen. Schrift fungiert hier also längst nicht nur als sprachliches, sondern auch und gerade als starkes visuelles Zeichen. Die skulpturale Umsetzung wird insofern zum Verstärker des semantischen Inhalts. Darüber hinaus untersucht und hinterfragt Franziska Opel aber, gerade in den neueren Arbeiten, auch alle möglichen anderen Formen der nonverbalen Kommunikation, etwa die Wirkung menschlicher Gesten, den Symbolgehalt von Flaggen, Spielkarten oder heraldischen Zeichen. Zum Gegenstand ihrer visuell reizvollen, aber gleichzeitig kritisch unterlegten Untersuchungen werden dabei nicht zuletzt alle möglichen Formen der männlichen Weltaneignung und Selbstvergewisserung, sei es durch das Abstecken von Territorien, das Aufstellen von Spielregeln oder den voyeuristisch-kontrollierenden Blick auf den weiblichen Körper wie etwa den eines „HARD WORKING GIRLS“ namens Venus.“

    Textausschnitt Nicole Büsing & Heiko Klaas (der gesamte Text ist in der Publikation Franziska Opel Kleine Gesellschaft für Venus veröffentlicht)


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR FLORA UND FAUNA

    (April 2015)

    Wilfried Bauer, Max Baur, AC Baur, Tanja Bächlein/Arne Bunk, Bob Braine und Galerie für Landschaftskunst, Markus Draese, Ralf Jurszo, Karen Koltermann, Corinna Korth, Micha Mohr, Erdmute Prautzsch, Claus Sautter, Knik e.V. und Filmclub

    Die erste Veranstaltung der „Kleinen Gesellschaft“ im Jahr 2015 handelte von „Flora und Fauna” als den uns benachbarten Lebenswelten.

    Wie bei der Kleinen Gesellschaft nicht anders zu erwarten, wurde das Thema weiträumig umspielt: Die poetische Wucht der Vergänglichkeit, flüchtige Erscheinungen, die Präparation der Wildnis, Vorschläge zur Renaturisierung der Natur, ein melancholischer Blumenstrauß grau in grau, verführerisches Gift altmeisterlich in Interferenzfarben, die Begegnung von Mensch und Mammut, Di-, -Tri- und Polyhybride, kurvige Abstraktionen, Ligu-Florale Neukreuzungen, Pastorale, Käfer, Medusen und unheimliche Vögel erwarteten die Besucher.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR E-GITARRE

    (Dez. 2014)

    Fünfzig E-Gitarren, Fünfzig E-Gitarren-Plattencover, dazu „die Gitarre von Jimi Hendrix in Fehmarn“ (Leihgabe Rasmus Gerlach), ein Konzert des Gitarrenorchesters Gilbert Couché (Torsten Kerting, Mathias Wagner, Gerd Nikel, Klaus Sieg) sowie ein Luftgitarrenworkshop unter Anleitung von Alexander Rischer


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR MASKE UND GESICHT

    (Nov. 2014)

    Tanja Nittka, Larry Lazarus, Alexander Rischer, Katharina Kohl, Micha Mohr, Dirk Meinzer, Anna Steinert, Claus Sautter, Peter Boué, Alexander Raymond, Gabriele Leidloff, Markus Draese und Filmclub.

    Konzert von „Cardiophon“ (Alexander Rischer, Frank Lüsing)

    Die dritte Veranstaltung der „Kleinen Gesellschaft“ handelte vom menschlichen Gesicht und dem Bild, das wir uns von ihm machen. So stellten nicht wenige Teilnehmer in ihren Arbeiten das Porträt zum Gegenstand vor. Wir zeigten, wie das Herrscherbild, immer auch mediale Inszenierung, auf nahezu verschwindende Gesichter trifft. Ein Selbstporträt konnte geisterhaft erscheinen, während steinerne Gesichter einen religiösen Bezug evozierten. Auch das Okkulte spielte eine Rolle in der Ausstellung, in der reale Gesichter schattenhaft bestrahlt, und gipserne Totenmasken mit Röntgenstrahlen durchleuchtet wurden. Das vermeintlich Antipodische des Gesichts – die Maske – erschien in mehreren Möglichkeiten: neben einigen authentischen afrikanischen Masken gab es Zeichnungen ozeanischer Köpfe und fiktive Neuschöpfungen von hoher Artifizialität. Es zeigte sich die Maske als Korrektiv einer vermuteten Lebensähnlichkeit des individuellen Porträts, aber auch als Schutz und Verhüllung: die Wiederkehr der Hasskappe oder die Maske des Pestarztes. Die Veranstaltung bildete also den kulturhistorischen Zusammenhang des Zeigens und Verbergens ab.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR MEER

    (Juli 2014)

    Karen Koltermann, Ralf Jurszo, Manfred Eichhorn, Peter Boué, Jörg Böthling, Wilfried Bauer, Sven Lütgen, Tanja Nittka, Sylvia Henze, Horst Sagunski, Fenna Sophie Richter, Bettina Ulitzka, Fa. C. Mackprang jr., Claus Sautter, Micha Mohr, Filmclub, Sammlung Lazarus, Sammlung Rischer und Sammlung Wiese

    Musik vom „Les Maries“ (Marie-Laure Timmich, Klaus Sieg, Heiko Quistorf)

    Die Kleine Gesellschaft stieg hier in den Urgrund, aus dem wir alle stammen. Daher durfte ein Exponat durchaus 450 Millionen Jahre alt sein, auch wenn seine äußere Form uns nicht mehr viel über die Bedingungen damals zu erzählen vermag. Dafür aber andere: etwa Fotografien, die das Faszinosum der Wellenberge zu erfassen suchen; Bilder, die sich nie gleichen. Wir zeigten Bilder von Wracks, die vom Scheitern des Menschen auf dem Meer erzählen oder auch solche, die tatsächliche oder erfundene Wesen der Tiefsee abbildeten. Seekarten durften nicht fehlen, auch wenn das streng Wissenschaftliche uns hier weniger liegt als das offensiv Romantische. So überwog in dieser Ausstellung das Maritime als Bezug des Menschen zum Meer, auch ein großes Modell eines Schiffes mit

    historisch einzigartiger Geschichte war zu sehen. Überhaupt schien die Ausstellung mehr den Respekt gegenüber der See zu bezeugen. So zeigten wir neben Zeichnungen, Malerei und Fotografie auch Fundstücke und Modelle.


  • KLEINE GESELLSCHAFT FÜR ZEIT

    (April 2014)

    Alexander Rischer, Claus Sautter, Micha Mohr, Bettina Ulitzka, Peter Boué, Helmut Tüxen/Gesa Timm, Gerd Danigel, Larry Lazarus und Christoph Piecha

    Wie sieht gemessene Zeit aus und kann man sie in der Hand halten? Wie bleibt sie stehen oder kann man ihrem Verstreichen wirklich folgen? Was passiert, wenn sie abwesend erscheint? Und welches Holz steht ihr am besten?

    Diesen Fragen konnte man folgen bei der Premiere des neuen Formats und Ausstellungsraumes KLEINE GESELLSCHAFT, die sich hier des Themas „Zeit“ annahm. Materialien, Herkunft und Ideen waren dabei höchst unterschiedlich – sie bewegten sich zwischen Zeichnung und Malerei, von der Fotografie bis zu tatsächlichen Standuhren – und die Ausstellung war dadurch bildhaft anschaulich, metaphorisch und konkret zugleich. Ob es sich bei all dem um Kunst oder Wissenschaft handelte, war hier also nicht die Frage, denn selbstverständlich ging es um beides.